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Source: Melita Historica. [Malta Historical Society]. 7(1976)1(95-96)

Q. HUGHES, Malta. Aus dem Englischen von Peter de Mendelssohn. 4 Farb-, 80 Fotafeln, 5 Plane und 1 Ubersichtskarte. 380 Seiten . München : Prestel 1972.

Der moderne Tourismus verdient nicht nur Kritik, denn er hat auch seine guten Seiten. Wenn man z. B. bedenkt: die kleine Insel Malta — wer hat sie früher schon besucht! Von Deutschland aus der Reise mit Eisenbahn und Schiff war viel zu umständlich. Ganz anders heute. In wenigen Flugstunden erreicht man bequem sein Ziel, und die Urlauber sind nicht enttäuscht. Malta lohnt sich. Man erzãhlt es weiter, und so wachst die Zahl der deutschen Besucher Nur an Literatur über Malta fehlt es in Deutschland. Es gibt zwar auf dem Buchmarkt die üblichen Reiseführer wie Polyglott, Grieben oder Schroeder. Außerdem unterrichtet über Kunst und Kultur auf der Insel Eckart Peterich in einem Kapitel des dritten Bandes seines Italien-Buches. Dann aber hört es auch schon auf. Deshalb ist zu begrüßen. wenn unlängst der Prestel-Verlag in München in der Reihe seiner Landschaftsbücher in deutscher Übersetzung das Buch eines Engländers herausgebracht hat, die eine ausführliche Geschichte der Insel Malta bietet. Malta hat den Briten als Marinestützpunkt gedient. Es war ein Bollwerk ihres Empire; und so ist auch nicht verwunderlich, [p.96] wenn das Malta-Buch von Hughes auf Englisch den Titel "Die Festung" trägt. Nach kurzer Einleitung, worin Hughes durchaus treffend bemerkt, dass auf Malta "alles ganz anders" sei, folgt ein knapper Abriss der Geschichte Maltas in Vorzeit und Altertum. Dann kommt der Verfasser zur Hauptsache: die Insel unter der Herrschaft des Johanniter-Ordens — vorab die Schilderung, wie die Türken 1565 Malta zu erobern versuchten und anschließend die Beschreibung, wie die Ritter Valletta als neue Hauptstadt gegründet und angelegt haben. Hughes hat es mit der Festungsbaukunst. Verständlich also, wenn Malta sein Herz höher schlagen lässt, stellt es doch heute gewissermaßen ein Freilichtmuseum aller möglichen Befestigungsarten dar und zwar vom Mittelalter bis in die Moderne. Auch das Kapitel über Mdina, die alte maltesische Hauptstadt, fesselt den Leser. Wer noch nicht da war, sieht nach der Lektüre mit Spannung seinem ersten Besuch entgegen; und wer Mdina vom Urlaub her schon kennt, fühlt sich erinnert, denn diese Stadt ist wirklich ein Erlebnis. Dann folgt ein Kapitel über die Dörfer und ihre Kirchen. Es ist ja erstaunlich, welche Pracht auf Malta selbst kleine Dorfkirchen entfalten. Auch bei der Beschreibung der Kirchenbaukunst ist Hughes in seinem Element. Anschließend macht er mit dem Leser einen Abstecher auf die Nebeninsel Gozo, Maltas kleinere Schwester, der Sage nach der Insel der Kalypso. Zum Schluss erzählt Hughes die Geschichte von Malta unter den Engländern. Reizvoll das Nachwort, welches der Übersetzer, Peter de Mendelssohn, beigesteuert hat. Vielleicht sollte man es vorneweg lesen. Auf jeden Fall ist es ein treffliches Fazit. Lobend muss außerdem noch erwähnt werden, dass der Verlag das Buch sehr schön ausgestattet und bebildert hat. Allein die Illustrationen geben einen höchst interessanten Reiseführer ab.

Joachim Fischer (Frankfurt am Main)